Geheime Orte I: Händchenhalten im Helwan-Park

Unverheiratete Paare treffen sich in der Metro, auf dem Kairotower oder im Helwan-Park.

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Der Eintritt kostet ein Pfund. Breite Wege durchziehen den Park wie das Nildelta Ägypten und grenzen kleine grüne Inseln ab. An den Rändern stehen kleine Bänke, genau die richtige Größe für zwei Personen und nicht mehr.

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Und da sitzen sie, die jungen Paare. Den Eintritt zahlen sie nicht für die sorgsam vernachlässigte Parkpflege oder für ein bisschen grün im Betondschungel der Großstadt. Zwei Pfund zahlt jedes Paar für einen privaten Moment zu zweit. Unverheiratete Paar gibt es offiziell nicht, sie dürfen sich nicht im Haus der Eltern treffen oder in einem Café sitzen. Also pilgern sie ins Grüne. Sie reden schmieden Pläne, manche halten sogar Händchen.

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Die Ruhe stört nur der Parkwart, bewaffnet mit Block, Bleistift und einem Auge für unverheiratete Paare. Wer zu heftig flirtet wird angesprochen und muss sich erklären. Die Verhöre finden in Einzelgesprächen statt, in Sichtweite, aber nicht in Hörweite des jeweils anderen. Wer erwischt wird, muss seinen Namen angeben, wird verwarnt und muss gehen. Zu erst der Mann, eine viertel Stunde später die Frau.

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Das Spiel läuft jeden Tag gleich: Ein paar muss als Bauernopfer herhalten. Die restlichen Gäste sitzen weiter im Helwan-Park, reden, schmieden Pläne und halten vielleicht sogar Händchen.

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3 Antworten to “Geheime Orte I: Händchenhalten im Helwan-Park”

  1. erisch Says:

    ahhhhh…endlich erklaert sich der spruch: „ich kann dich nicht mehr riechen.“ klingt aus dieser perspektive gar nicht so schlimm…

  2. Torsten Says:

    Nur ein kleines Schmankerl zur anstehenden Wahl, die du ja hautnah miterleben wirst. Na, nicht Wahl, sondern Nachfolgungszeremonie!

    Im Herbst 2004 druckt ein ägyptisches Studentenmagazin auf der Umschlagseite eine Liste mit Erfindungen, die die arabische Welt zu ihrer Blütezeit im Mittelalter der menschlichen Zivilisation beschert hatte. Jetzt, hieß es dann weiter, werden die Araber die Welt mit einer weiteren Errungenschaft beglücken: mit der Erbdemokratie.

  3. hackelschorsch Says:

    ich mag es. dieses unverkrampfte verhältnis der leute zu plastik-müll und natur. beide sachen können wirklich gut zusammenpassen. und romantik – wie man an diesem bespiel sieht – geht auch nicht verloren. im dschungel – z.B. – füllt man sich auch als westler nicht mehr so einsam, wenn man mal ein leere bierbüchse findet.

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