Einmal Visum, bitte!

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Nach 30 Tagen läuft das Touristenvisum ab. Die Strafe für eine verpasste Verlängerung ist zwar nicht hoch, doch ein Jahresvisum gibts unkomplizierter, als einen neuen Führerschein in Deutschland.


Im hässlichsten Gebäude der Stadt gibt es Visa für Deutschland. Im Zweithässlichsten Visa für Ägypten.

haus_nicht_schoen.jpg Deutsche Botschaft Kairo

Behörden sind grau, so grau wie die 12 Stockwerke des Behördenmonsters in Kairo. Am Eingang steht der obligatorische Sicherheitscheck an. Die Tasche wird durchleuchtet, die Apparate zeigen fiepend Feuerzeug, Telefon, Kamera, Schlüssel und ein kleines Taschenmesser an, doch niemanden interessiert. Im zweiten Stock gibt’s Visa für jeden und alles, doch am Ende der Treppe lauert der nächste Sicherheitscheck. Tasche aufs Band, Durchgehen, Fiepton, Weitergehen.

behoerdenhaus.jpg Behördenmonster Kairo

Der größte Andrang herrscht an den Schaltern für arabische Staaten. Verschleierte Frauen schreien in Handys, Kinder spielen Fangen. Bei den Palästinensern ist nicht so viel los. Boten tragen Aktenberge hin und her, Polizisten schlürfen Tee und dirigieren blonde Westler auf die andere Seite des Ganges. Denn wer irrtümlicherweise nach rechts abbiegt landet im Bereich für illegale Migration. Scheinbar können Europäer nicht illegal nach Ägypten einreisen.

visaantrag.jpg Das Antragsformular

Denn ein Visum gibt’s superschnell. In einen Frageborgen Name, Geburtsort, Nationalität und Beruf reinkritzeln, an der Kasse rund 10 Euro zahlen, im Erdgeschoß zweimal den Pass kopieren, aus einer Kopie ein Passfoto basteln, ein zweites mal durch die Sicherheitsschleuse und auf zu Schalter Nummer 12. Dort schreibt eine Frau die Daten in ein großes Buch, beschwert sich über die Wohnortangabe „Hotel“, schreibt in arabischen Buchstaben den Hotelnamen dazu, heftet einen Papierhaufen zusammen und knallt alles auf einen gut gefüllten Aktenwagen.

passbearbeitung.jpg Die Verwaltungsfachangestellte

Nun heißt es zwei Stunden warten und Tee trinken. Oder über den Basar schlendern. Auf dem Vorplatz zum Behördenmonster gibt es Schuhe, Töpfe, Bilder, Taschentücher und Zeitungen zu kaufen. Die Zeit reicht auch für ein Frühstück in einer Seitenstraße und einer U-Bahnfahrt zum Postamt.

basar1.jpg Zeit zum Shoppen

Ist die Zeit rum, warten erneut Sicherheitsschleusen und eine bunte Menschenmenge vor Schalter 36. Chinesen drängeln mit Russen und zwei Südamerikanische Backpacker schauen verschlafen aus der Wäsche. Also mitdrängeln, in Hörweite bringen, einmal laut „Allemagne“ rufen und eine halbe Minute später wandert ein roter Pass durch die Menschenmenge.

menschenmenge.jpg Einmal laut schreien

Es ist auch noch der Richtige und mittendrin pappt ein Jahresvisum.

P.S. Wer als Ägypter nach Deutschland reisen möchte, beachte bitte folgende Hinweise.

Nachtrag: Visa für Deutschland auf dem ägyptischen Weg gibt es zukünftig nicht mehr.

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